vonSchwerin:Otto Martin von Schwerin (* 1701)

Aus DAFFG

Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen vonSchwerin2.png
FamilienWIKI - Familie von Schwerin


Portrait auf Stein gez. v. Adolph Burger
Die Randzeichnung entw. und auf Stein gez. v. Ludwig Burger


Otto Martin von Schwerin

Otto Martin von Schwerin (* 21. Juni 1701 in Halberstadt, † 4. August 1777 in Busow) heiratete am 17. Dezember 1732 in Minden Esther Marie Freiin von Quadt zu Landskron

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

in der Preussischen Armee als der Hohenfriedberger oder der Reitgerten-Schwerin bekannt,[1] ward 21. Juni 1701 zu Halberstadt geboren,[2] trat 1714, also erst 13 Jahre alt und noch dazu als Cornet mit einem Patent[3] vom 2. April 1712, bei dem sogenannten gelben Reiter-Regiment (Regiment Kronprinz zu Pferde, Kürassiere No. 2)[4] in die Preussische Armee, ward 25. August 1718 Lieutenant, war 1730 Rittmeister,[5] ward 6. Juli 1733 Major, 26. Februar 1737 Ritter des Johanniter-Ordens und im Januar 1741, nachdem er also fast 29 Jahre lang dem gelben Reiter-Regiment angehört hatte, als Oberstlieutenant zum Kommandeur (zweiten Chef) des Markgraf von Baireuth-Dragoner-Rogiments No. 5 in Pasewalk ernannt,[6] an dessen Spitze er von da ab stets als Führer stand; so gleich 10. April 1741 in der Schlacht bei Mollwitz. Er ward 1742 Oberst und gerieth in der Schlacht bei Chotusitz (Czaslau, 17. Mai 1742) schwer verwundet in österreichische Gefangenschaft, aus welcher er nach dem Friedenschluss (28. Juli 1742) zu seinem Regiment zurückkam. Seine Betriebsamkeit und Tüchtigkeit als Exercirmeister und vorzüglicher Reiter anerkannte König Friedrich 1743 nach der Stettiner Revue, indem er den Commandeurs der jenseit der Weichsel garnisonirenden Dragoner-Regimenter befahl, sich sofort nach Pasewalk zu verfügen, um daselbst während drei Wochen ihre Norm nach den beim Regiment Baireuth eingeführten Evolutionen und Manövern zu nehmen.[7] Bei Beginn des zweiten schlesischen Krieges 1744 bestimmte der König das Regiment zur Avantgarde der von ihm selbst geführten Kolonne.

In der Schlacht von Hohenfriedberg am 4. Juni 1745 vollführte das, ausnahmsweise zehn Schwadronen starke Regiment - dessen eine Hälfte Otto Martin persönlich anführte[8] - den glorreichsten Reiterangriff, der je von einem einzelnen Regiment auf eine grosse, unerschütterte Infanteriemasse gemacht worden ist.[9] Diese Attacke, in welcher das Regiment 20 feindliche Bataillone über den Haufen ritt, 2500 Gefangene machte und 67 Fahnen und 5 Kanonen erbeutete, entschied die Schlacht.[10] Nach derselben paradirte dasselbe mit allen Trophäen, Schwerin an der Spitze der Leibschwadron, vor dem Könige,[11] welcher den Obersten mit den Worten anredete: Schwerin, eine solche That, wie die Eurige an dem heutigen Tage, findet man nicht in allen römischen Geschichten.

Otto Martin erhielt den Orden pour le mérite und wurde 20. Juli 1745 mit einem Patent vom 29. November 1743 zum Generalmajor befördert. Als solcher commandirte er sein Regiment am 15. December 1745 in der Schlacht bei Kesselsdorf.

Nach geschlossenem Frieden kehrte das Regiment nach Pasewalk zurück. Aber das Stillsitzen daheim in der Friedensgarnision fiel den wackeren Reitern bei weitem schwerer als der wundergleiche Siegesritt auf der Feldflur bei Striegau.[12] Bereits 1744 hatte der König den Kommandeur wohlmeinend und in Gnaden gewarnt, wegen des Trunkes mehr Acht auf sich zu haben, auch die familiäre Gesellschaft mit den Subaltern-Officiers gänzlich zu unterlassen. Nun rügte der König in einem Schreiben aus Potsdam vom 26. April 1746: er halte die Officiers nicht kurz genug, er solle das Saufen unter ihnen abschaffen, und äusserte sich in ähnlicher Weise missbilligend in einigen weiteren Ordres.[13]

Im Uebrigen fuhr der König, von der anderweitigen Tüchtigkeit und Verdienstlichkeit des Generals überzeugt, fort, demselben Beweise seiner Gnade zu geben; so übertrug er ihm im December 1747 die Amtshauptmannschaft zu Stettin und 1748 auch die von Fischhausen, von denen jede mindestens 500 Thaler jährlich eintrug; lud ihn auch 1747 zu sich nach dem Weinberg bei Potsdam, dem neu entstandenen Sanssouci, ein, und beförderte ihn am 1. Juli 1755 zum Generallieutenant. Auch erwarb das Regiment bei den Revuen stets die Allerhöchste Zufriedenheit. Aber aus den vorher erwähnten Vorkommnissen hatte sich doch beim Könige die Meinung festgesetzt, als wäre das Regiment dem Trunke ergeben,[14] und äusserte er dies gradehin beim Schluss der Revue bei Stargard 1755, indem er sehr vernehm¬lich und kräftig eine Nase an den General verabfolgte. Das veranlasste diesen — hitzig, wie er war und recht derb in damaliger Pommernweise — seinen Pallasch in die Scheide zu stossen und dabei zu äussern: Ein Hundsfott, der ihn noch einmal zieht![15] Der grosse König liess diese allerdings starke Uebereilung dem weit und breit renommirten Reitergeneral, der viel vor Vielen voraus hatte, nicht entgelten, aber das Verbleiben desselben im Dienst war vorläufig selbstredend unmöglich. Der General begab sich nach Pom¬mern auf sein Gut und lebte dort als Privatmann, ohne jedoch den nachgesuchten Abschied zu erhalten. Vor Ausbruch des siebenjährigen Krieges, im Sommer 1756, musste er sich auf wiederholten Königlichen Befehl in Potsdam einfinden.[16] Der König verzieh ihm und gestattete ihm — da er sich verschworen, den Pallasch wieder zu ziehen — mit den Worten: Ein Schwerin kann auch ohne Degen seine Soldaten zum Siege führen, an dessen Stelle eine Reitgerte in der Rechten zu führen. Diese Vergünstigung, welche sich selbst auf den Fall erstreckte, wenn der General seinem Königlichen Herrn das Regiment vorführte, steht einzig da in der Geschichte der Preussischen Armee. Am 1. October 1756 befehligte so der General in der Schlacht bei Lowositz den Kavallerie-Flügel des zweiten Treffens.

Zu Anfang des Jahres 1757 erneute Otto Martin im Winterquartier zu Dresden sein Abschiedsgesuch wegen körperlicher Leiden; nach anderer Lesart: in Folge eines unangenehmen Zwiegesprächs mit dem Prinzen Moritz von Anhalt-Dessau,[17] erhielt am 18. Februar 1757 den Abschied und begab sich auf seine Güter nach Pommern.

Dort hatte der General zunächst 1720 von seinem Grossvater dessen Besitz in Busow, gemeinsam mit seinem Bruder, geerbt, hatte dann am 26. October 1724 den vom Hauptmann Werner Dettlof von Schwerin daselbst noch besessenen Antheil, ebenfalls mit seinem Bruder gemeinsam, gekauft, ferner durch Tausch gegen das 1743 von den Maltzans gekaufte Gut Hohen-Bollentin am 2. November 1743 auch den landesfürstlichen Antheil[18] daran erworben, und war endlich 1750, als auch die Erbschaft seines Bruders ihm zufiel, in den alleinigen Besitz von ganz Busow gelangt. Auch einen mehr als hundertjährigen Rechtsstreit mit der Stadt Anclam wegen des sogenannten Müggenwinkels hatte er 1746 durch einen Vergleich dahin beendet, dass dieser streitige Theil zwischen Busow und Anclam getheilt wurde.[19]

Ueberdies kaufte der General am 30. Juli 1761[20] vom Hauptmann Leonhard von Eickstedt für 15500 Thaler das Gut Dargibell, erblich und einschliesslich der Lehns-Gerechtigkeit.[21]

Nachdem er sehr eifrig für die Verbesserung dieser Güter Sorge getragen, überliess er dieselben noch bei seinen Lebzeiten durch Vertrag vom 30. December 1773 seinen Söhnen; Ludwig erhielt Dargibell und Moritz Busow.

Bis an sein Ende mit philosophischen und theologischen Studien beschäftigt, starb der General in Folge eines Schlaganfalls zu Bussow 14. Aufgust 1777.[22]

Sein Bildniss, in Lebensgrösse zu Pferde gemalt, befindet sich im Besitz des Kürassier-Regiments Königin in Pasewalk. Sein Name steht auch auf den Gedenktafeln des 1851 Friedrich dem Grossen zu Berlin errichteten ehernen Reiterstandbildes.

Er hatte sich 17. December 1732 zu Minden vermält mit Esther Marie Freiin von Quadt zu Landskron.[23]


Quelle: Dr. L. Gollmert, Wilhelm Grafen von Schwerin und Leonhard Grafen von Schwerin: Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Wilhelm Gronau's Buchdruckerei, Berlin 1878

Eltern

Kinder

  1. Marie Luise Emilie Friedrike von Schwerin (* 15.9.1733 in Kyritz, † )
  2. Friedrich Christoph Otto von Schwerin (* 14.12.1734 in Kyritz, † 20.4.1739 in Zehdenick)
  3. Ulrike Sophie von Schwerin (* 1.10.1735, † 14.7.1768 in Busow)
  4. Caroline Friedrike von Schwerin (* 15.4.1739 in Zehdenick, † 4.10.1744 in Busow
  5. Friedrich Curd Otto von Schwerin (* 1.9.1740 in Zehdenick, † 14.4.1757)
  6. Ludwig Wilhelm Albrecht von Schwerin (* 16.5.1743 in Pasewalk, † 23.4.1777 in Dargibell)
  7. Beate Juliane Agnes Friedrike von Schwerin (* 22.10.1744 in Busow, † 12.6.1746 in Pasewalk)
  8. Moritz Friedrich Wilhelm von Schwerin (* 4.11.1745, † 11.3.1829)
  9. Albert Christoph Carl von Schwerin (* 12.2.1747 in Pasewalk, † 1748 in Pasewalk)
  10. Friedrike Caroline Wilhelmine von Schwerin (* 23.9.1751 in Busow, † 24.10.1810)
  11. Charlotte Friedrike Elisabeth Justine von Schwerin (* 3.2.1753 in Busow, † 1778)

Geschwister

  1. Friedrich Leopold von Schwerin (* 1699 in Halberstadt, † 30.5.1750)

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Graf Ernst zur Lippe, Militaria aus König Friedrichs des Grossen Zeit, Berlin 1866, S. 107 ff.: Der Reitgerten-Schwerin
  2. Obgleich als Otto Martins Geburtsjahr in allen vorhandenen Nachrichten übereinstimmend das Jahr 1705 gennant wird, wie denn auch z. B. in der auf ihn gehaltenen Grabrede, im Milit. Pantheon u. s. w., so muss hier doch ein Irrthum vorliegen; denn in nicht geringerer. Uebereinstimmung wird bei seinem Tode im Jahr 1777 sein Lebensalter auf 76 Jahre angegeben; so in der erwähnten Grabrede (76 Jahr 1 Monat 22 Tage), im Milit. Pantheon (im 77. Jahre seines Alters), im Ducherower Kirchenbuch und vom Grafen zur Lippe. Da nun sein Todesjahr bestimmt feststeht, so würde Otto Martin demnach schon im Jahre 1701 geboren sein. Dies ist auch um so wahrscheinlicher, als anderen Falls sein Dienst-Eintritt, selbst für damalige Zeit — in welcher der Kriegsdienst sehr früh begonnen wurde — unerklärlich sein würde.
  3. Vermuthlich erwirkte ihm noch sein Vater († Juni 1712) durch Vermittlung seines Regiments-Chefs, des Fürsten Leopold von Dessau, diese frühe Anstellung im Regiment des Kronprinzen (Friedrich Wilhelm I), welchem der Fürst schon damals eng befreundet war.
  4. Später Kür.-Rgt. v. Schleinitz. Vgl. Taf. XII. 11
  5. Aus jener Zeit berichtet das Ducherower Kirchenbuch von einer Taufe, welche der Rittmeister 20. September 1732 zu Busow seinem Gärtner ausrichtete, welchem er den Lohn schuldig war; da nun der Gärtner solchen gefordert, der Herr Rittmeister aber nicht bei Kasse gewesen, so hätte er es so gestellt, dass er durch die vornehmen Pathen, die er dazu gebeten, sein Geld bekommen.
  6. Das heutige Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) No. 2.
  7. Auch in einem Briefe an den General Grafen Rothenburg vom 13. Juli 1743 spendet der König den Baireuth-Dragonern ganz besonderes Lob und prognosticirt dieser Truppe Wunder der Tapferkeit.
  8. An der Spitze der anderen Kolonne des Regiments befanden sich der General Graf Gessler und Major von Chazot.
  9. Graf zur Lippe, Militaria a. n. O. — v. Damitz, Schlacht bei Hohenfriedberg, und von Forstner, Recension dieses Buches. — Ravenstein, Geschichte des 2. Kürassier-Regiments Königin, Minden 1842: die Theilnahme des Dragoner-Regiments Baireuth an der Schlacht von Hohenfriedberg. — Königlicher Gnadenbrief für das Dragoner-Regiment Baireuth.
  10. Friedrich der Grosse sagte darüber: Eine so einzige, so glorreiche That verdient mit goldenen Buchstaben in den Jahrbüchern der Preussischen Geschichte verzeichnet zu werden. Und noch im Jahr 1741 hatte der König die Preussische Reiterei das unbehülflichste und zugleich muthloseste Corps genannt, welches es in allen europäischen Armeen gebe.
  11. Das, im Besitz des Kürassier-Regiments Königin zu Pasewalk, befindliche Bild vom Prof. W. Camphausen: der Vorbeimarsch der Baireuth-Dragoner nach der Schlacht bei Hohenfriedberg, zeigt fälschlicher Weise schon damals den Obersten von Schwerin mit der Reitgerte in der Hand.
  12. Graf zur Lippe, Militaria a. a. O.
  13. Abgedruckt bei Ravenstein, Geschichte dos 2. Kürassier-Regiments Königin, Minden 1842.
  14. Ausser dem Vorwurf des Trunkes war der König vermuthlich auch ungehalten wegen verschiedener Excesse, welche Seitens des Regiments bei den Werbungen verübt sein sollten und mit deren Untersuchung am 15. November 1755 der Fürst Moritz von Anhalt-Dessau betraut wurde. Vgl. Anm. 17
  15. Graf zur Lippe a. a. O. — Ravenstein, Geschichte des 2. Kürassier - Regiments. S. 60 ff.
  16. Des Generals erste Begegnung mit dem Könige nach dem Vorfall bei Stargard wird in novellistischer, also vielfach ausgeschmückter Weise, erzählt in: Bilder aus Berlins Nächten von L. Schneider, No. 14: der alte Zieten, die Nacht vom 21. auf den 22. Juli 1756. Abgedruckt bei Ravenstein, Gesch. des 2. Kürassier-Regiments, S. 63 ff.
  17. Leopold von Orlich, Fürst Moritz von Anhalt-Dessau, ein Beitrag zur Geschichte des siebenjährigen Krieges. Berlin 1842. Vgl. Anm. 14
  18. Derselbe bestand aus 1 wüsten und 3 bebauten Bauerhöfen.
  19. U. B. II. 714.
  20. Berghaus, Landbuch 1. Bd. 2. Th. S. 207 ff. nennt statt 1761 das Jahr 1751.
  21. Familien-Buch der v. Eickstedt, Ratibor 1860, S. 777. Durch Decret der Regierung vom 24. September 1781 wurde ausgesprochen, dass denen v. Eickstedt, nachdem sie sämmtlich ihre Einwilligung zu dem erblichen Verkaufe von Dargibell gegeben haben, keine Lohn rechte daran weiter zustehen.
  22. Die am Grabe gehaltene Rede ist abgedruckt in Ravensteins Geschichte des 2. Kür.-Regts. S. 291 ff.
  23. Von den 13 Kindern, welche in dieser Ehe geboren wurden, zählt die Stammliste nur 11 auf; 2 starben bald nach der Geburt.
Persönliche Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
DAFFG
FamilienWIKI
Familiennamen
Buch erstellen