vonSchwerin:Wilhelm Werner Otto Graf von Schwerin (* 1773)

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Wilhelm Graf von Schwerin

Oberst und Flügeladjutant des Königs
* 1773, Gefallen 1815 in der Schlacht von Belle Alliance

Wilhelm Werner Otto Graf von Schwerin (* 16.3.1773 in Wolfshagen, Gefallen.png 18.6.1815 bei Lasnes) heiratete am 8.6.1805 in Berlin Amalia Sophie Gräfin von Dönhoff (* 16.7.1785, † 27.1.1863 in Berlin)

Inhaltsverzeichnis

Lebenslauf

geboren zu Wolfshagen 16. März 1773, trat 1786 bei dem Leib-Carabinier-Regiment, Kürassiere No. 11 zu Rathenow in die Armee, wurde aber schon nach einigen Monaten zu dem Regiment Gensdarmes, Kürassiere No. 10, nach Berlin versetzt, bei welchem sein älterer Bruder Louis bereits seit mehreren Jahren diente. Er ward 1791 Cornet, machte den kurzen polnischen Feldzug mit, welchem 1793 die zweite Theilung Polens folgte, und ward 1795 Lieutenant. Am 6. Februar 1803 wurde er als Rittmeister und Kompagnie-Chef zum Regiment der Gardes du Corps nach Charlottenburg versetzt.[1] Bei dem Ausbruche des Krieges 1806 zum Major befördert, kämpfte er muthig in der unglücklichen Schlacht bei Auerstädt (14. October), in welcher er bei der Attacke auf ein französisches Carree eine matte Kugel über dem Knie erhielt, während sein Pferd unter ihm verwundet wurde. Er folgte darauf dem Könige nach Königsberg und Memel, und nahm an den meisten — bei jenem Zuge fast täglich vorkommenden — Gefechten mit Auszeichnung Theil. Nach dem Frieden von Tilsit ging er im December 1807 nach Wolfshagen und erhielt dort im Sommer 1808 den erbetenen Abschied, wobei jedoch König Friedrich Wilhelm III persönlich äusserte: Es thut mir leid, Sie zu verlieren; aber ich bin auch überzeugt, dass ich wieder auf Sie rechnen kann, wenn ich einst erprobte Offiziere brauchen sollte. Sie und ihre ganze Familie sind mir und meinem, Hause immer wahrhaft zugethan gewesen. Auf den 1813 erlassenen berühmten Aufruf des Königs an sein Volk trat auch Graf Wilhelm wieder in die Armee, zunächst zum Stabe des Generals Grafen von Tauentzien; erwarb in der Schlacht bei Gross-Görschen (2. Mai) das eiserne Kreuz 2. Klasse;[2] wurde am 16. August 1813 als 0berstlieutenant dem Regiment der Gardes du Corps aggregirt, bald darauf zum Flügel-Adjutanten Sr. Majestät des Königs Friedrich Wilhelm III ernannt und in dessen Hauptquartier nach Teplitz berufen. Zuvor jedoch kämpfte er noch in der Schlacht bei Grossbeeren (23. August) mit, und nahm dann im Gefolge des Königs an allen Schlachten und Gefechten Theil, bei denen das Hauptquartier zugegen war, insbesondere an der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 18. October 1813). Nach dieser letztgenannten wurde er dem Hauptquartier des Feldmarschalls Blücher zugetheilt, mit welchem er den ganzen Siegeszug bis Paris mitmachte: insbesondere ging er mit demselben am 2. Januar 1814 bei Caub über den Rhein, entging in der Schlacht bei Brienne (29. Januar) kaum der Gefangenschaft; kämpfte mit in der Schlacht bei la Rothière (1. Februar) und endlich bei der Erstürmung des Montmartre (30. März). Bei dem Einzuge in Paris (31. März) befand er sich im Gefolge des Königs, ward darauf zum 0berst befördert und erhielt die 1. Klasse des eisernen Kreuzes, sowie den Russischen Wladimir-Orden 3. Klasse und den Oesterreichischen Leopold-Orden. Auf Befehl des Königs überbrachte er dann die Siegesbotschaft nach Berlin, woselbst er — nach einem förmlichen Triumphzuge durch Deutschland — am 10. April 1814 einritt; voraus 24 blasende Postillone und gefolgt von einer militärischen Escorte. Nach Paris zurückgekehrt begleitete er darauf den König auf dessen Reise nach England, welche durch den für Preussen bekundeten Enthusiasmus der Engländer eine so merkwürdige wurde. Ebenso begleitete er später den König zum Kongress nach Wien.

Als nach der Rückkehr Napoleons von Elba der Krieg 1815 von Neuem ausbrach, erhielt er das Kommando einer Kavallerie-Brigade von drei Regimentern, zu der Kavallerie-Division des Prinzen Wilhelm von Preussen, Bruders des Königs, und zu dem unter dem General Grafen Bülow von Dennewitz neu errichteten 4. Armee-Corps gehörig. An der Spitze dieser Brigade fand er in der Schlacht bei Belle-Alliance am 18. Juni 1815 den Heldentod.[3] Kurz vor dem Hervorbrechen auf den Feind, bei dem Dorfe Lasnes, unweit Chapelle St. Lambert, ungefähr Nachmittags 4 Uhr, schlug eine Haubitz-Granate dicht vor ihm ein, platzte, sein Rappe ging hoch in die Höhe, und ohne ein Zeichen des Lebens und Schmerzes, den Feind noch unverrückt im Auge, sank er rücklings vom Pferde,[4]lautlos und edel, wie Prinz Wilhelm schrieb.[5] Unweit der Stelle, wo er fiel, befindet sich unter einer Buche sein Grab.

Er hatte sich vermält zu Berlin 8. Juni 1805 mit seiner Nichte Amalia Sophie Gräfin von Dönhoff, der ältesten Tochter seiner Schwester Sophie. Dieselbe war geboren 16. Juli 1785 und lebte nach dem Tode ihres Mannes noch 48 Jahre lang als Wittwe, zuletzt in dem ihr gehörigen Hause, Wilhelmstrasse 63, zu Berlin, woselbst sie 27. Januar, 1863 im 78. Lebensjahre starb.

Sie war eine hochherzige und edle Frau, ausgezeichnet durch hervorragende Gaben des Geistes und Herzens, sowie auch in ihren jüngeren Jahren durch eine ungewöhnliche Schönheit; dabei besass sie eine vortreffliche Bildung, und ihr thätiger Geist und die Liebe Gottes, die sie erfüllte, schufen auch der kinderlosen Wittwe auf den verschiedensten Gebieten einen umfassenden und segensreichen Wirkungekreis.[6] Von ihren schriftstellerischen Arbeiten erschienen 1852: die Wege zum inneren Frieden,[7] und nach ihrem Tode 1864: Damaris. Ihr eigenes Lebensbild ist aus ihren hinterlassenen Papieren von ihrer jüngsten Schwester, der Frau von Romberg, in sehr anziehender und geistvoller Weise dargestellt; der erste Abschnitt bis zum Tode ihres Mannes erschien 1868 im Druck, während der zweite Abschnitt in handschriftlichen Exemplaren in den Händen einiger Familien-Mitglieder ist. Ihr und ihres Gemals Bildnisse befinden sich im Schlosse zu Wolfshagen.

Eltern

  • Otto Alexander Graf von Schwerin (* 20.3.1737 in Berlin, † 17.3.1819 in Wolfshagen)
  • Sophie Dorothea von Bissingen (* 18.11.1733 in Gross-Milzow, † 31.1.1801 in Wolfshagen)

Geschwister

  1. Otto Wilhelm Friedrich Graf von Schwerin (* 17.12.1763 in Wolfshagen, † 21.11.1862 in Mildenitz)
  2. Sophie Dorothea Henriette Gräfin von Schwerin (* 5.12.1764 in Wolfshagen, † 26.2.1825)
  3. Carl Otto Alexander Graf von Schwerin (* 30.3.1766 in Wolfshagen, † 20.2.1767 in Wolfshagen)
  4. Ludwig (Louis) Otto Alexander Graf von Schwerin (* 2.9.1767 in Wolfshagen, † 26.8.1827 in Mildenitz)
  5. Friedrich Carl Heinrich Graf von Schwerin (* 17.9.1768 in Wolfshagen, † 29.5.1805 in Aurich)
  6. Amélie Christine Friederike Gräfin von Schwerin (* 19.10.1769 in Wolfshagen, † 8.6.1831)
  7. Ernst Otto Aemilius Graf von Schwerin (* 29.11.1770 in Wolfshagen, † 14.8.1796 in Wolfshagen)
  8. Carl Friedrich Otto Graf von Schwerin (* 25.9.1774 in Wolfshagen, † 11.2.1804 in Wolfshagen)
  9. Johann Christoph Hermann Graf von Schwerin (* 18.6.1776 in Wolfshagen, † 6.8.1858 in Wolfshagen)

Literatur

  • Dr. L. Gollmert, Wilhelm Grafen von Schwerin und Leonhard Grafen von Schwerin: Geschichte des Geschlechts von Schwerin. Wilhelm Gronau's Buchdruckerei, Berlin 1878

Einzelnachweise

  1. K. W. v. Schhing, Geschichte des Königl. Preuss. Regiments Garde du Corps, Berlin 1840.
  2. Schöning, Gesch. d. Regts. Garde du Corps.
  3. v. Ollech, Geschichte des Feldzuges von 1815. Berlin 1870. S. 243.
  4. Der tödtliche Schuss hatte ihn am Kopfe getroffen.
  5. Aus einem Briefe des Prinzen an seine Gemalin. - Blücher soll dem Courier, welchen er mit der Siegesnachricht abfertigte, gesagt haben: Sagen Sie dem Könige, ich hätte noch keinen solchen Sieg erlebt, — aber wir haben ihn auch theuer bezahlt und Schwerin ist geblieben.
  6. Nekrolog der Gräfin Sophie von Schwerin vom Professor Schottmüller. — Nachruf aus No. 26 der Neuen Preussischen (Kreuz-) Zeitung vom 31. Januar 1863, von Bernhard von Lepell. Letzterer widmete ihr auch einen besonders schönen poetischen Nachruf: Sophie Schwerin, der in ihrem weiterhin erwähnten Lebensbilde abgedruckt ist.
  7. Eine von der Kreuz-Zeitung 1864 gebrachte Kritik äussert darüber: Was dem Buche solche Anziehungskraft verlieh, war nicht sowohl sein Gegenstand, der so unendlich oft und immer wiederkehrend, aber in einer traditionellen Manier behandelt wird, sondern es war die tiefe Innerlichkeit, verbunden mit einer Anmuth, ja Eleganz der Form, wie man ihr eben auf diesem Gebiet zu begegnen nicht gewohnt ist. Auch Damaris, dessen Inhalt bei dieser Gelegenheit mitgetheilt wird, wird sehr günstig beurtheilt.
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